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Radio-Bemusterung: Wer eure Musik ohne Label überhaupt annimmt

Drei Sender veröffentlichen eigene Regeln für unsignierte Bands, ein vierter keine — was das für eure Radio-Anfrage bedeutet.

Radio-Bemusterung: Wer eure Musik ohne Label überhaupt annimmt

Der Release ist raus, Codes und Presskit liegen bereit. Jetzt die Frage, die im Presskit nicht steht: Wer im deutschen Radio nimmt überhaupt Musik von einer Band ohne Label an? Drei Sender veröffentlichen dazu eigene Regeln. Ein vierter, den wir geprüft haben, veröffentlicht keine. Und der klassische Weg über die Branchenplattform kostet Geld, dessen Zugangsbedingungen wir nicht einsehen konnten.

Zwei Wege, und sie sind keine Alternativen

Es gibt zwei Arten, Musik an Radioredaktionen zu bringen, und sie unterscheiden sich nicht nur im Preis.

Route eins: Ein Sender veröffentlicht selbst, wie er Musik entgegennimmt — ein Upload-Formular, eine E-Mail-Adresse, eine Postanschrift. Ihr schickt direkt, ohne Mittelsmann. Das erreicht eine Redaktion, eine Sendung.

Route zwei: Bemusterung über MPN (Music Promotion Network, Betreiber PHONONET). Labels und Promoter liefern Releases über die Plattform an eine ganze Verteilerliste von Musikredaktionen, bezahlt pro Kampagne. Das erreicht viele Redaktionen gleichzeitig, kostet aber Geld und läuft über eine Registrierung als Branchenpartner.

Für eine Band ohne Label ist Route eins sofort nutzbar. Route zwei ist ein zweiter Schritt, kein erster — dazu unten mehr.

Route eins: drei Sender mit eigenen Regeln

Drei Sender veröffentlichen Regeln — und zwei davon schließen einen Teil der Bands schon durch die Regeln aus: Anstoß durch seine Genre-Liste, BR Pop Radar durch den Wohnort. Wen was betrifft, steht jeweils dabei.

Fritz Unsigned (rbb)

Das Upload-Formular sagt selbst, was es will: bis zu drei aktuelle Songs, kein Cover, kein Remix, "nur Euer Originalmaterial". Dazu Name, Bandname, E-Mail, ein Beschreibungstext, wahlweise ein PDF bis 15 MB und bis zu vier Links zu Social-Media oder Websites.

Fritz will MP3, nicht WAV

Die Technik-Angabe auf dem Formular ist konkret: MP3, unter 30 MB, 192–320 kbit/s, 44.1 kHz. Eine WAV-Datei ist hier der eine Fehler, den eine Band einmal macht und danach nie wieder.

Anstoß (ByteFM)

Anstoß ist eine zweiwöchentliche Stunde für Bands, die "erst ein paar Demos oder ihr erstes Album" veröffentlicht haben — aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Einreichen geht per Mail mit einem Link zur Musik oder per Post an die Redaktionsadresse, die auf der aktuellen Sendungsseite steht. Die Sendung nennt selbst ihre Genres: Elektro, Experimental, HipHop, Jazz, Neo-Soul, Pop, Post-Punk, Punk, R&B, Singer-Songwriter. Metal und Hardrock stehen nicht auf der Liste.

Nicht jede Mail bekommt eine Antwort

Der Moderator schreibt in einem Kommentar auf der Sendungsseite selbst: pro Sendung kommen rund 200 Anfragen an, "da kann manchmal nicht jede Mail beantwortet werden". Das ist eine Aussage eines Moderators zu einem Zeitpunkt, keine feste Quote — aber sie sagt etwas Wichtiges: Schweigen heißt nicht Ablehnung, es heißt oft nur Stapel.

BR Pop Radar (BR PULS)

Der dritte Sender mit eigenen Regeln veröffentlicht ein Upload-Formular und sagt dazu, was er damit tut: "Wir hören jede Einsendung an – es kann nur etwas dauern." Das ist unter den geprüften Wegen die einzige Zusage, dass überhaupt jemand hinhört.

Sie hat eine Bedingung, und die steht nicht im Formular, sondern auf der Einreichungsseite davor: Das Formular ist für euch, "wenn du aus Bayern kommst" — abgefragt werden Ort und Bezirk. Für eine Band aus Hamburg oder Niedersachsen ist dieser Weg veröffentlicht und trotzdem zu.

Verlangt wird die konkreteste Liste der drei Wege: euer stärkster Song als MP3 mit 320 kbit/s bis 100 MB, ein Streaming-Link, Künstlername mit Aussprache, Herkunftsort, Songtitel, Veröffentlichungsdatum, die Geschichte zum Song und eine kurze Biografie. Das Genre tragt ihr in ein freies Feld ein — eine Liste zum Auswählen gibt es nicht, und was die Sendung tatsächlich spielt, sagt die Seite nicht.

Dazu ein Feld, das kein anderer geprüfter Weg hat: eine Angabe zur KI. Die Redaktion bittet ausdrücklich, keine überwiegend oder vollständig KI-erzeugten Songs zu schicken, und verlangt kurz auszuführen, ob im Song KI eingesetzt wurde.

Fünf Wege im Vergleich

WegZugangKostenWas verlangt wirdAntwort zugesichert?
Fritz Unsigned (rbb)Upload-Formularkostenlosmax. 3 Songs, MP3, kein Cover/Remixnicht angegeben
Anstoß (ByteFM)E-Mail oder PostkostenlosLink oder Demo per Postnein, laut Moderator
BR Pop Radar (BR PULS)Upload-Formular, nur aus Bayernkostenlosein Song als MP3, Streaming-Link, Text — und eine Angabe zur KIja: "Wir hören jede Einsendung an"
ROCK ANTENNEkein veröffentlichter Weg auf der Kontaktseite———
Bemusterung über MPNRegistrierung als Branchenpartnerab 20 €, volle Kampagne 220 €Dateien und Metadaten hinter dem Partner-Login—

Die Lücken in der Tabelle sind selbst eine Aussage: Was ein Sender oder eine Plattform nicht veröffentlicht, schreiben wir nicht dazu.

Für Rock- und Metal-Bands: die ehrliche Lücke

Wenn eure Musik Rock oder Metal ist, bleibt von den geprüften direkten Wegen je nach Wohnort einer oder zwei übrig. Anstoß listet zehn Genres, und weder Metal noch Hardrock ist dabei. ROCK ANTENNE, der einzige geprüfte Rocksender, veröffentlicht auf seiner Kontaktseite keinen Musik-Weg — ein Dropdown für Studio-Nachrichten, Feedback, Empfangsprobleme, aber kein Punkt für Musikeinreichungen. Das heißt nicht, dass es dort niemanden gibt, der Musik hört. Es heißt: Diese Seite, an diesem Tag, veröffentlicht keinen Weg.

Fritz Unsigned nennt in seinen Regeln überhaupt kein Genre — ausgeschlossen sind dort nur Cover und Remixe. Was die Sendung tatsächlich spielt, steht nirgends; offen ist der Weg nach seinen veröffentlichten Regeln trotzdem. BR Pop Radar schließt Metal ebenfalls nicht aus — dafür schließt es euch aus, wenn ihr nicht aus Bayern kommt. Wer in Bayern probt, hat damit zwei offene Wege statt einem; für alle anderen bleibt es bei Fritz Unsigned. Das ist der Fall, für den es sich lohnt, Bedingungen zu Ende zu lesen: Der Weg ist veröffentlicht, offen — und nicht für euch. Der ehrliche Rat ist deshalb kein Sender-Ranking, sondern eine Methode: selbst nachsehen, bei jedem Sender, der für euer Genre infrage kommt.

So prüft ihr einen Sender selbst

1

Sucht die aktuelle Sendungsseite, nicht die alte MeldungManche Sender haben eine Jahre alte News und eine aktuelle Programmseite mit unterschiedlichen Angaben. Nehmt die Seite mit den neueren Spuren.

2

Prüft, ob die Seite noch gepflegt wirdAntwortet die Redaktion in den letzten Monaten auf Kommentare oder Anfragen? Das ist der Beweis, dass eine Adresse noch gilt.

3

Lest die Genre-Liste der Sendung zu EndeWenn eure Musik nicht drin steht, ist es die falsche Sendung, auch wenn alles andere passt.

4

Schickt genau das, was verlangt wirdFormat, Songzahl, Textfelder. Ein Sender, der "kein Cover" schreibt, meint das wörtlich.

Airplay ist nicht automatisch Geld

Auch wenn eine Sendung euch spielt, fließt daraus nur Geld, wenn die Aufnahme identifizierbar ist. Dafür braucht es den ISRC und einen Labelcode — die Basis für die Meldung an die GVL, die Rundfunk- und öffentliche Wiedergabe vergütet, aber nur für gemeldete Aufnahmen. Gespielt werden und bezahlt werden sind zwei getrennte Schritte, und der zweite ist Verwaltungsarbeit, die ihr vorher macht.

GVL für Musiker: Geld für eure Aufnahmen, nicht für eure Songs

Die zweite Verwertungsgesellschaft neben der GEMA: wer als ausübender Künstler zählt, wofür es Geld gibt — und warum der kostenlose Vertrag ohne eure Meldungen nichts auszahlt.

GVL für Musiker: Geld für eure Aufnahmen, nicht für eure Songs

Was ein Sender vor dem Einreichen erwartet, deckt sich fast eins zu eins mit dem, was ein Booker sehen will: ein Link, ein Beschreibungstext, wahlweise ein PDF. Wie ihr das einmal zusammenstellt, steht in EPK und Booking-Mappe.

FAQ: Kosten, ausbleibende Antworten, das falsche Genre und MPN

Muss ich für eine Radio-Bemusterung bezahlen?

Für Route eins nicht: Fritz Unsigned, Anstoß und BR Pop Radar nehmen Musik kostenlos an. Bezahlt wird nur, wenn ihr über MPN eine Kampagne buchst — dort kostet eine volle Kampagne 220 Euro, kleinere Varianten ab 20 Euro, jeweils für 90 Tage.

Warum antwortet mir niemand?

Weil die Redaktionen mehr Anfragen bekommen, als sie beantworten können. Für Anstoß hat der Moderator selbst rund 200 Anfragen pro Sendung genannt. Kein Signal bedeutet nicht automatisch: keine Chance.

Was mache ich, wenn mein Genre bei keiner geprüften Sendung passt?

Dann prüft ihr weitere Sender selbst, mit der gleichen Methode: aktuelle Seite suchen, Pflegezustand checken, Genre-Liste bis zum Ende lesen. Wir haben acht Sender und Sendungen geöffnet; drei veröffentlichen einen Weg für unaufgeforderte Musik. Das ist kein Ranking des deutschen Radios, sondern die Ausbeute einer gezielten Suche — eure eigene fängt genauso an.

Lohnt sich eine Bemusterung über MPN für eine unsignierte Band?

Was die Plattform kostet und wie lange eine Kampagne läuft, ist bekannt. Was die Registrierung als Branchenpartner konkret verlangt, war auf den öffentlichen Seiten nicht einsehbar. Ohne diese Information lässt sich der Weg nicht als Handlungsanleitung beschreiben — nur als Option, die existiert und Geld kostet.

Die Kurzfassung

Drei Sender sagen selbst, wie sie Musik annehmen wollen, und alle drei haben Regeln, die einen großen Teil der Einsendungen aussortieren, bevor sie überhaupt gehört werden — bei einem ist es der Wohnort. Ein vierter Sender veröffentlicht dazu nichts. Der bezahlte Weg über die Branchenplattform existiert, kostet ab 20 Euro pro Kampagne und braucht eine Registrierung, deren Bedingungen wir nicht prüfen konnten. Schickt an die Sender, die eure Musik tatsächlich spielen, folgt ihren eigenen Regeln wörtlich, und meldet den ISRC, damit gespielte Musik auch bezahlte Musik wird.

Was ein Sender tatsächlich spielt, entscheidet die Redaktion, und keine der gelesenen Quellen sagt, wie oft aus einer Einsendung Airplay wird. Wir nennen den Weg, nicht die Aussicht.

Quellen

  • rbb/Fritz, Unsigned-Upload-Formular, unsigned.fritz.de — Einreichungsregeln und technische Anforderungen, geprüft 07.09.2026
  • ByteFM, Sendungsseite "Anstoß", byte.fm/sendungen/anstoss — Zielgruppe, Genres, Einreichweg und Moderatoren-Kommentar zur Anfragenzahl, geprüft 07.09.2026
  • MPN Support Center, Pricing-Seite, support.musik-promotion.net — Preise und Laufzeit einer Bemusterungskampagne, geprüft 07.09.2026
  • BR, "BR Pop Radar: Jetzt bewerben! Hier geht's zum Upload-Formular", br.de — Einreichungsregeln, Antwort-Zusage und die verlangte KI-Angabe, geprüft 09.09.2026
  • BR, "Einreichung: Deine Musik bei BR Puls", br.de, Seitenstand 05.08.2021 — die regionale Bedingung, geprüft 09.09.2026

Aktualisiert: 2026-09-09

Allgemeine Informationen ohne Rechts- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind Beispiele, keine Zusagen.

Stand: 09.09.2026