Musik veröffentlichen ohne Label: was Vertriebe nehmen und was euch bleibt
Drei Preismodelle teilen den Markt der Vertriebe: Jahresabo, Gebühr pro Release mit Anteil, Direktverkauf. Was sie kosten, was sie auszahlen — und die Fragen vor dem Vertrag.

Zwischen eurer fertigen Aufnahme und den Streaming-Plattformen steht eine Dienstleistung: der Vertrieb. Er liefert die Musik an die Plattformen, sammelt das Geld ein und zahlt es aus — und dafür gibt es am Markt drei Preismodelle, die sich stärker unterscheiden, als die Startseiten der Anbieter aussehen.
Die drei Modelle
Jahresabo: zahlen, solange ihr dabei seid
Fester Betrag, beliebig viele Releases, die Einnahmen bleiben komplett bei euch. Beispiel für das Modell: 23,99 Euro im Jahr im kleinsten Tarif eines großen Anbieters. Die Frage, die dieses Modell entscheidet: Was passiert mit euren Releases, wenn ihr das Abo kündigt?
Pro Release plus Anteil: einmal zahlen, dauerhaft teilen
Einmalige Gebühr pro Veröffentlichung, danach behält der Anbieter dauerhaft einen Anteil der Einnahmen. Beispiel für das Modell: 9,99 Dollar pro Single, 14,99 pro Album, 9 Prozent vom Digitalumsatz — ohne Jahresgebühr, der Release bleibt oben. Teurer wird es hier erst, wenn ihr viel verdient.
Direktverkauf: der eigene Laden
Ein eigener Shop, der den Vertrieb ergänzt: Hörer kaufen direkt bei euch, die Plattform behält einen Anteil — beim bekanntesten Anbieter 15 Prozent auf Digitales (10 ab 5.000 Dollar Umsatz), 10 Prozent auf Physisches, plus Zahlungsabwicklung. Hier kaufen die, die euch schon kennen; für alle anderen bleibt der Vertrieb zuständig.
Was ein Vertrieb leistet
Ein Vertrieb ist ein Dienstleister mit drei Aufgaben: liefern, abrechnen, auszahlen. Vorschuss, Marketing und Betreuung sind Label-Aufgaben — wer sie will, sucht ein Label. Im Gegenzug bleiben bei den gängigen Modellen alle Rechte an Songs und Aufnahmen bei euch; der Anbieter bekommt die Lizenz, sie auszuliefern, und damit endet sein Zugriff. Ob genau das in den Bedingungen eures Anbieters steht, prüft ihr vor der Unterschrift — es ist der wichtigste Satz des Vertrags.
Was vom Streaming-Geld bei wem landet
Der Vertrieb zahlt euch den Anteil der Aufnahme aus Streams und Downloads — einen Teil dessen, was eure Musik verdient. Die Urheber-Seite — Komposition und Text — rechnen die Plattformen getrennt über Verwertungsgesellschaften ab, in Deutschland die GEMA. Läuft die Aufnahme im Radio oder in einer Bar, kommt dieses Geld wieder woanders her: von der GVL.
Und wie das Vertriebsgeld innerhalb der Band aufgeteilt wird, regelt ihr untereinander — das steht auf eurem Split Sheet, geschrieben vor dem Release.
Vier Fragen an jeden Anbieter
Was passiert bei Kündigung?
Beim Abo-Modell ist das die entscheidende Antwort: Bleiben die Releases nach der Kündigung online, oder verschwinden sie? Ein Katalog, der am Abo hängt, ist eine andere Entscheidung als einer, der liegen bleibt.
Wie und ab wann wird ausgezahlt?
Ab welchem Betrag wird ausgezahlt, wohin, und was kostet die Auszahlung? Kleine Beträge unter einer hohen Schwelle sind faktisch eingefroren.
Was kostet extra?
Content ID auf YouTube, Pre-Saves, zusätzliche Shops, Cover-Lizenzen — vieles davon ist Aufpreis. Rechnet den Preis eures echten Bedarfs, nicht den der Startseite.
Steht das mit den Rechten wirklich im Vertrag?
Der Satz „alle Rechte bleiben beim Künstler“ gehört in die Bedingungen, nicht nur in die Werbung. Sucht ihn — und sucht auch, wie lange der Anbieter eure Aufnahmen nach Vertragsende weiter ausliefern darf.
FAQ: Verwertungsgesellschaften, Direktverkauf und die Modellwahl
Brauchen wir neben dem Vertrieb noch GEMA und GVL?
Ja, beide — der Vertrieb ersetzt keine Verwertungsgesellschaft. Er zahlt nur das Geld der Plattformen für die Aufnahme aus. Die GEMA sammelt für die, die den Song geschrieben haben, die GVL für alle auf der Aufnahme, wenn sie gesendet oder öffentlich gespielt wird. Es sind drei getrennte Töpfe, und in jeden müsst ihr euch selbst eintragen.
Reicht Direktverkauf ohne Vertrieb?
Für den Anfang kann das reichen — dort kaufen die Leute, die euch von Konzerten kennen, und der Anteil ist überschaubar. Auf die Streaming-Plattformen, wo Fremde euch entdecken, bringt euch aber erst ein Vertrieb — die beiden ergänzen sich, statt zu konkurrieren.
Welches Modell ist das richtige für uns?
Rechnet mit euren echten Zahlen, nicht mit den Beispielen der Anbieter: Wie viele Releases plant ihr, wie viel Umsatz ist realistisch? Ein Abo lohnt sich bei vielen Releases und wenig Umsatz, ein Anteilsmodell bei wenigen Releases — und wechseln ist möglich, aber mit alten Releases mühsam.
Wohin mit dem Release
Mit dem Release draußen ist die nächste Frist eure Wahl. Unser Katalog führt Contests, Festivals und Ausschreibungen mit Fristen — kostenlos, ohne Konto.
Kurzfassung
Ein Vertrieb hat drei Aufgaben: liefern, abrechnen, auszahlen. Drei Modelle: Jahresabo mit vollen Einnahmen, Gebühr pro Release mit dauerhaftem Anteil, Direktverkauf als Ergänzung. Vor dem Vertrag vier Fragen: Kündigung, Auszahlung, Extras, Rechte. Und das Geld aus dem Vertrieb ist nur einer von drei Töpfen — GEMA und GVL laufen daneben weiter, und wie ihr untereinander teilt, steht auf dem Split Sheet.
Preise und Konditionen der Anbieter ändern sich laufend; alle Zahlen stammen von den genannten offiziellen Seiten, Stand: September 2026. Die genannten Anbieter sind Beispiele für ihr Modell, keine Empfehlung.
Quellen
- distrokid.com, Preisseite (Jahresabo-Modell, Stand 06.09.2026)
- cdbaby.com, „CD Baby Cost“ (Modell Gebühr pro Release plus Umsatzanteil, Stand 06.09.2026)
- Bandcamp-Hilfe, Artikel zu Revenue Share (Anteile im Direktverkauf, Stand 06.09.2026)
Aktualisiert: 2026-09-09
Allgemeine Informationen ohne Rechts- oder Steuerberatung. Zahlenbeispiele sind Beispiele, keine Zusagen.
Stand: 09.09.2026
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