Split Sheet: wem der Song gehört, wenn ihn vier geschrieben haben
Ein Blatt, das den Streit von morgen ersetzt: wer welchen Anteil am Song hat, schriftlich, vor dem ersten Release — und was das Gesetz sagt, wenn das Blatt fehlt.

Vier Leute im Proberaum, ein neuer Song — und die Frage, wem er gehört, stellt sich an diesem Abend niemand. Sie stellt sich später, wenn das erste Geld kommt: die erste GEMA-Ausschüttung, eine Sync-Anfrage, ein Vertriebsvertrag. Dann geht es in der Verhandlung darum, wer etwas von seinem Anteil abgibt — und das ist die Sorte Gespräch, an der Bands zerbrechen.
Die Lösung ist ein Blatt Papier, ausgefüllt am Tag, an dem der Song fertig ist: das Split Sheet.
Was ohne Vereinbarung gilt
Ein gemeinsam geschriebener Song macht euch zu Miturhebern. Das Gesetz hat dafür eine Standardregel: Die Erträge stehen den Miturhebern nach dem Umfang ihrer Mitwirkung zu — sofern ihr selbst etwas anderes festlegt, gilt eure Festlegung (§ 8 Abs. 3 UrhG).
Genau diese Regel ist das Problem. „Umfang der Mitwirkung“ ist die eine Sache, über die sich zwei Jahre später niemand mehr einig ist: War das Riff der halbe Song? Zählt das Arrangement? Wer hat die zweite Strophe wirklich geschrieben? Das Gesetz verweist euch auf eine Messung, die niemand mehr vornehmen kann. Die Vereinbarung, die das Gesetz erlaubt, ist der Ausweg — und sie kostet zehn Minuten.
Was auf das Blatt gehört
Ein Song, ein Blatt
Songtitel und Datum. Ein Split Sheet gilt pro Song — nicht pro Album, nicht pro Band. Der nächste Song kann anders aufgeteilt sein.
Wer, mit echtem Namen und Rolle
Voller Name jeder beteiligten Person und ihre Rolle: Komposition, Text oder beides. Das sind dieselben Rollen, die später in der GEMA-Werkanmeldung stehen — das Blatt beantwortet die Anmeldung gleich mit.
Die Anteile, Summe 100
Der Anteil jeder Person in Prozent, Summe hundert. Welche Zahlen dort stehen, ist eure Entscheidung — gleiche Teile, nach Beitrag, wie ihr wollt. Entscheidend ist nicht die Formel, sondern dass alle dieselbe unterschrieben haben.
Unterschriften und Kopien
Unterschrift von allen, ein Foto oder Scan für jede Person. Ein Blatt, das nur im Proberaum liegt, ist im Streitfall wertlos — die Kopie bei jeder Person macht es zum Beweis.
Der richtige Moment: vor dem ersten Release
Der Moment ist wichtiger als die Form: vor dem ersten Release, solange kein Geld im Raum steht und jeder noch weiß, wie der Song entstanden ist. Zwei Jahre später weiß das niemand mehr — und mit Geld auf dem Tisch einigt es sich schlechter.
Was das Split Sheet mit GEMA und GVL zu tun hat
Bei der GEMA meldet ihr jedes Werk mit allen Urhebern an — auch denen, die kein GEMA-Mitglied sind. Die Werkanmeldung fragt also genau das ab, was auf dem Split Sheet steht: wer komponiert hat, wer getextet hat. Mit dem Blatt in der Hand füllt ihr die Anmeldung in wenigen Minuten aus — ihr übertragt, was längst feststeht. Fehlt das Blatt, beginnt der Streit über die Anteile genau an dieser Stelle. Was die GEMA danach auszahlt und was die Mitgliedschaft kostet, steht in GEMA für Newcomer.
Das Split Sheet regelt das Schreiben. Wer auf der Aufnahme spielt, hat davon getrennte Ansprüche — die laufen über die GVL und hängen nicht von den Songanteilen ab: GVL für Musiker. Der Schlagzeuger ohne Songanteil hat trotzdem Anspruch auf sein Aufnahme-Geld — wenn er selbst einen Wahrnehmungsvertrag hat und die Aufnahme gemeldet hat.
FAQ: Riff oder Raum, Producer, Anwalt und späte Korrekturen
Zählt, wer das Riff hatte — oder wer im Raum war?
Miturheber ist, wer zur Komposition oder zum Text beigetragen hat; bloßes Dabeisein im Proberaum begründet für sich noch keinen Anteil. Aber das ist die gesetzliche Sicht, und von der dürft ihr per Vereinbarung abweichen: Manche Bands teilen alles auf alle, damit die Frage nie wieder auf den Tisch kommt. Beides ist legitim; entschieden werden muss es einmal, gemeinsam, schriftlich.
Was ist mit Producern und Beats?
Wer zur Komposition beiträgt, ist Miturheber — auch am Rechner. Ein Beat, eine Melodielinie, eine Akkordfolge können Beiträge sein. Klärt die Rolle im Split Sheet, bevor die Produktion fertig ist; „das besprechen wir beim Mix“ ist der klassische Aufschub.
Brauchen wir dafür einen Anwalt?
Für den Anfang genügt das Blatt selbst — Namen, Anteile, Unterschriften sind die funktionierende Grundform, ganz ohne Anwalt. Zum Anwalt geht ihr, wenn ein Verlag, ein Label oder eine größere Summe ins Spiel kommt; dann wird aus dem Blatt die Grundlage, nicht der Ersatz.
Und wenn der Song längst draußen ist?
Dann gilt wieder die gesetzliche Standardregel — Umfang der Mitwirkung — und ihr steht vor der Messung, die keiner mehr machen kann. Ein spätes Split Sheet ist trotzdem besser als keins: Einigt euch, schreibt es auf, datiert es mit dem echten Tag der Einigung.
Wohin mit dem fertigen Song
Ein Song mit geklärten Anteilen ist bereit, verschickt zu werden. Unser Katalog führt Contests, Festivals und Ausschreibungen mit Fristen — kostenlos, ohne Konto.
Kurzfassung
Ohne Vereinbarung verteilt das Gesetz die Erträge nach dem Umfang der Mitwirkung — einer Größe, über die später niemand mehr einig ist. Ein Split Sheet ersetzt diese Messung durch eine Entscheidung: pro Song ein Blatt mit Namen, Rollen, Anteilen in Summe hundert und Unterschriften von allen, ausgefüllt vor dem ersten Release. Die Zahlen sind eure Sache. Das Blatt beantwortet nebenbei die GEMA-Werkanmeldung — und erspart euch das Gespräch, das sonst beim ersten Geld geführt wird.
Quellen
- § 8 Abs. 3 UrhG (Erträgnisse der Miturheber nach dem Umfang ihrer Mitwirkung, wenn nichts anderes vereinbart ist)
- gema.de, Hilfe „Werke anmelden“ (alle Urheber eines Werks anmelden, unabhängig von der GEMA-Mitgliedschaft)
Aktualisiert: 2026-09-13
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Stand: 13.09.2026
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